28.08.2016
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Es war ein sehr aufregender und erfüllender heißer Tag Ende August und wir holten den Viehanhänger von Freunden ab. Eine viertel Stunde später waren wir bei ihm, meinem Freund und treuen Begleiter im Kleid eines Leuchtrappens. Die Wanderung war samt des abrupten Endes verarbeitet und nun atmeten wir neue frische Luft, die nach einem Abenteuer roch. Er brauchte etwas Zeit, bis er einverstanden war und auf den Anhänger stieg, aber dann war alles gut.

Meine beiden kleinen treuen Fellnasenfreunde hatten geduldig im Auto gewartet, zusammen mit meinen Eltern, die uns begleiteten zum Start unseres neuen Lebens.

Mit ein paar Umwegen, um Staus und Baustellen zu entgehen auf den Autobahnen, fuhren wir gen Norden ganz gemütlich mit 80-100 kmh. Es war genügend Zeit eingeplant, um auch problemlos das Schiff erreichen zu können. Es war ein wirklich heißer Tag.

Dann endlich nach etwa 7 Stunden Fahrt erreichten wir das Tor zu den Inseln, Dagebüll Mole - den Fähranleger.

Wir rasteten ein letztes Mal, tranken Wasser, Tandri rupfte sich Heu aus dem Netz und schaute immer wieder neugierig durch die offene Anhängertür vorne. Interessierte Kinder schlichen durch die Autoreihen, um einen Blick auf ihn zu erhaschen, ein Mädchen traute sich zu fragen, ob es Tandri streicheln darf.

Nun wurde es ernst. Tür zu, alle ins Fahrzeug und rauf aufs Schiff. Die nordische Meeresbrise flog wohl als erstes Tandri um und in die Nüstern. Ich gesellte mich zu ihm, signalisierte immer wieder, dass alles so in Ordnung ist und war mächtig stolz auf meinen Kleinen.

 

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Mein erstes eigenes Fohlen (3jährig) von meinem ersten eigenen Islandpferd überquerte mit mir die Nordsee, um ein gemeinsames Leben auf einer Insel zu führen.

Da Frieda und Casper bereits mit mir hin und wieder gereist waren, war diese Erfahrung nicht all zu neu für die beiden, dennoch spürten sie die Magie in der Luft, welche verriet, dass es meine große CHance war, "alleine" Fuß zu fassen, zu mir selbst zu finden und meinem Herzen folgend erwach-sen zu werden.

 

Nun, nach genau einem Jahr blicke ich auf dieses zurück, sehe viele Glücksmomente, Schmerzen, wichtige Erfahrungen und tiefe Einsichten. Menschen kamen und gingen, ließen etwas da oder nahmen etwas von mir mit, zeigten ihr wahres Gesicht oder spielten weiter mit ihren Masken und alles, was uns widerfuhr bis jetzt, machte mir deutlich, wie wichtig es ist zu sich und seinem Herzen zu stehen, auch wenn das heißt, nicht in eine genormte Welt zu passen.

 

Ich bin schon oft gegen den Strom geschwommen, bin in kalte Gewässer gesprungen und habe mit dem Feuer gespielt. Es hat mich ertrinken lassen, es hat mich erka(e)ltet und ich habe mich deftig verbrannt. Aber ich lebe! Und das kann ich mittlerweile trotz tiefen Tälern auch auf dieser Insel sagen: "Ich lebe glücklich! Denn ich erlaube mir endlich so zu sein, wie ich bin."

 

Was für eine schwere Geburt, was für ein ewiger Prozess und wie viele Rückschläge, Irrwege, Verlockungen, Entgleisungen und Ablenkungen habe ich eingesteckt und mitgenommen!

Was für eine Kraft und Stärke steckt wirklich in uns?

Finden wir es heraus...

 

Gegen halb Neun am Abend betrat Tandri sein neues Zuhause, indem viel Heu und frisches Wasser auf ihn wartete, wie einige neugierige neue Herdenmitglieder am Zaun zu seiner Eingewöhnungswiese.

 

Der Himmel verdunkelte sich bereits und die Küchen der Restaurants schlossen.

Nun waren wir an der Reihe, doch wie das so im Norden zu sein scheint, gab es kein warmes essen mehr und die alten Brote der Fahrt wurden in meiner unmöblierten Küche einverleibt.

Meine Eltern bezogen ihre Ferienwohnung und ich baute unser Lager zum Schlafen gehen auf.

In den kommenden 3 Tagen richteten wir meine Wohnung mit dem Nötigsten ein und meine wirklich tollen Eltern verließen die Insel. Ich habe ihnen sehr sehr sehr viel zu verdanken.

 

Die ersten Arbeitstage begannen schon und der Alltag kehrte schnell ein. Doch durch die verscheidenen Arbeitszeiten und sehr lieben Kollegen und Kolleginnen war alles noch Wochen später wie Urlaub, kaum zu glauben und zu begreifen und verzauberte mich immer wieder. Auch Besuche von Freundinnen und der Familie in einigen Wochenabständen bereicherten unser Leben. Eine flüchtige Bekanntschaft ließ mein Herz hüpfen und dann begannen sich die Altlasten durch die Tiefen meines Unterbewusstseins an die Oberfläche zu bohren und der magische Zauber verflog...

Ich war in eine Falle getappt wie schon so oft in meinem Leben, ich hörte fast nur noch auf meine Stimme im Kopf, war allen gegenüber hilfsbereit (nur nicht mir selbst), funktionierte wie ein Uhrwerk und verlor auch den letzten Hoffnungsstrohhalm aus der alten Heimat, denn er war mehrfach geknickt und brach ab.

Mein liebster Begleiter verlor eines seiner Augen und erinnerte mich immer wieder, auch schon einige Tage zuvor: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Dieser Satz, der sich damals schon beim Lesen vom kleinen Prinzen in mein Bewusstsein eingebrannt hatte, sollte mich von nun an begleiten. Es war ein reiner Akt der Liebe gewesen, den Casper durchlebte als Erinnerung und Mahnung für mich und meinen Weg.

"Folge Deinem Herzen!" Und das tat ich dann (endlich wieder). Ich löste mich von allem, was mich runterzog, befreite mich von unnötigem Ballast und nahm mir eine Auszeit. Mein Inselhausarzt nennt das Burnout, ich nenne es Seelenzeit, wenn die Seele schreit - denn genau das war es. Zeit für meine Seele. Daraus folgte die Kündigung bei meinem Arbeitgeber auf ärztlichen Rat und die Rehamaßnahme vom Amt, wie die Erfüllung meiner Herzenswünsche. Ein Tierkind kam von weit her zu uns und bereichert seit dem unsere Familie.

 

Es war meine Seele, die mich durch diese Gezeiten lotste und die Ereignisse überschlugen sich, sie ließ mich direkt in seine Arme schwimmen. Mein neuer Begleiter seit jenem Tag, einem Freitag, den 13., da war er wieder, die flüchtige Bekanntschaft. Was für ein Glückstag! Wir erfuhren endlich, wie es sich anfühlt, eine eigene kleine Familie zu haben, die sich gegenseitig stützt, stärkt, so sein lässt wie man ist,vertraut und liebt. Mein innerer Wunsch nach der selbstständigen "Arbeit" wurde immer größer und es fanden durch den vielen freigeräumten Raum in und um mir neue und alte Kunden her, welche mir zeigten, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Eine letzte Selbstaufgabe stand plötzlich bevor, als andere in Not gerieten und ließ mich noch einmal in Zeitraffer total verrennen, was ich mittlerweile aber nicht nur als solches, sondern auch als sehr wichtige Erfahrung mit wichtigen Begegnungen ansehe, die mir tolle echte Menschen bescherten, von denen ich viel lernen durfte und darf, welche mir zeigten und zeigen, dass ich selbst in einer mir fremden Branche innerhalb kürzester Zeit mir alles aneignen kann, dass ich mit Lob und Fülle nur so überhäuft wurde und werde. Dafür bin ich sehr dankbar! Vermutlich fehlte mir diese letzte Anerkennung noch, um mich vollkommen und richtig zu fühlen.

Und auch, wenn ich nun keine Fahrradschrauberin mittels Umschulung werde, freue ich mich über die besten Arbeitgeber, die ich je hatte, über meinen Partner, der mir täglich zeigt, dass man nicht nur auf engem Raum leben und wohnen, sondern auch gemeinsam arbeiten und sich dauerhaft wertschätzen kann, wie auch über meine mittlerweile 2 neuen Fahrräder - das Gazellchen und das Dog Mountain biking bike laughing

 

Welche Kraft in mir steckt?

Nun, ich würde sagen die Kraft der Liebe. Einzig und allein aus meinem Herzen, meiner Seele kommend.

Wo sie mich nun hinträgt?

In die Selbstermächtigung. In die Selbstbestimmung. In die Eigenverantwortung für mich und mein Leben, meine treuen Begleiter und echten Freunde in welchem Gewandt auch immer.

Der nächste Schritt?

Lass Dich überraschen und folge Deinem Herzen wink Oder: Folge deinem Herzen und lass dich überraschen!

 

Bereits im Kindesalter spürte ich eine liebevolle Verbundenheit mit Tieren, der Natur und Menschen. Durch dieses Bewusst(e)Sein kann ich mit allen Wesen kommunizieren und erfahre wichtige Botschaften für mich und mein Umfeld. Auch Dir möchte ich in Freude und Begeisterung die universelle Sprache mit auf Deinen Weg in ein befreites authentisches Leben geben.